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14./15. Januar 2016 - Die KWer Ortsteile Zernsdorf & Kablow haben ein riesengroßes Problem

Am 14. Januar 2016 wurden in der Nachrichtensendung des regionalen Fernsehsenders rbb „Brandenburg aktuell“ (19.30 Uhr) die Bürger der beiden genannten Orte eingeladen, um am folgenden Tag über Tankzüge, zahlreiche Ortsdurchfahrten von Tankfahrzeugen, einen unbeschrankten Bahnübergang und lautes Hupen der Regionalbahn am Bahnübergang (auch nachts!) zu reden.

Zum Bahnübergang Friedrich-Engels-Straße der Regionalbahn RB36 kamen 45 bis 50 Einwohner aus beiden Orten – 100 waren es wirklich nicht.

Worum ging es konkret am 15. Januar 2016?
Zur DDR-Zeiten befand sich in Kablow am Krüpelseeufer ein Tanklager zur „Staatsreserve“. Hier wurden Mineralölprodukte per Zug mit Kesselwagen antransportiert, gelagert und per Zug wieder abtransportiert.
Dieses Tanklager „rettete“ sich über die Wende bis in die Jetzt-Zeit. Nur mit einem gravierenden Unterschied: Aus dem „Lager“ wurde hauptsächlich ein „Umschlagplatz“: Täglich fährt ein EKW Kesselwagen-Ganzzug aus der Richtung Königs Wusterhausen zur TABEG Tanklagerbetriebsgesellschaft mbH Kablow (mit Anschlussgleis) und zurück. Die GmbH vermietet Tankraum (41.600 m³) und schlägt Mineralölprodukte um. Es handelt sich dabei um Heizöl extra leicht, Dieselkraftstoff, Rapsmethylester und Pflanzenöle (sh. www.tabeg.de).

Um die Mineralölprodukte umzuschlagen fahren täglich sehr viele Tanklastfahrzeuge (leer) zum Tanklager und beladen wieder zur Autobahn. Die meisten von ihnen nutzten den Autobahnanschluss A10 über den Segelfliegerdamm durch die Ortslage Zernsdorf (Entfernung rund 2,5 km), die anderen den Autobahnanschluss A12 Friedersdorf (Entfernung rund 7 km) über Kablow, Dannenreich, Friedrichshof. Die Route zur A10 durch Zernsdorf führt stets durch dicht besiedeltes Gelände; die zur A12 führt in geringerem Maße, aber eben auch, durch zwei kleinere Orte.

Bei der meist gewählten Route durch Zernsdorf sind Menschen, Hab und Gut in potenzieller Gefahr:

1.   Gefahrenstelle: An der Ausfahrt des Tanklagers in Kablow müssen sie die Gleise der Regionalbahn queren – dieser Bahnübergang ist unbeschrankt. Die Züge müssen bei Näherung an diesen Übergang (Wohngebiet!) laut ein Warnsignal geben. Und dies vor jeder Anfahrt – zwei mal pro Stunde – auch nachts. Die Fahrt des Zuges wird aber nicht verlangsamt!
Groß muss die Fantasie nicht sein, um sich vorzustellen, was passiert, würde der Tanklastfahrer das Warnsignal am Übergang überhören!

2.      Gefahrenstelle: 90°-Kurve vor dem Bahnübergang Friedrich-Engels-Straße, hier muss zwar nicht über die Bahnlinie gefahren werden! Aber wenn die Schranke geschlossen ist, entsteht auf der abbiegenden Straße meistens in beiden Richtungen ein Auto-Stau.

3.      Gefahrenstelle: Die enge und durch Wohnhäuser nicht gut einsehbare 90°-Kurve der Friedrich-Engels-Straße zu Friedensaue. Das Tanklastfahrzeug muss in der Kurve beide Fahrbahnen (oft einschließlich des Fußwegs) nutzen, um diese auf Grund der Fahrzeuglänge durchfahren zu können.

4.      Gefahrenstelle: Die Kreisstraße K6153 nimmt ab Schleuse Neue Mühle, über Zernsdorf (hier auch nach Kablow-Ziegelei und Uckley), Kablow, Dannenreich bis nach Wenzlow/Friedersdorf den gesamten Verkehr der Orte zwischen der Dahme-Seenkette und der Autobahn auf. Die Zernsdorfer Karl-Marx-Straße, der südliche Teil der Friedrich-Engels-Straße, die Kablower Straße und die Zernsdorfer Straße (in Kablow) sind Teile dieser Kreisstraße. Ab 1999 wurde die Straße in Teilabschnitten nach und nach grundhaft erneuert. Es gibt aber auf der gesamten Länge keinen Fußgängerschutzweg; nicht mal vor dem Zernsdorfer Einkaufszentrum. Die Bürger müssen in Grundstückseinfahrten die Straße queren und dürfen, weil sich gegenüber keine Einfahrt befindet, in den Straßengraben springen oder die Fahrbahn entlang laufen! Den ehemals kombinierten Fuß-Radweg hat man zum reinen Fußweg deklariert. Fahrradfahrer haben auf dieser stark befahren Straße den rechten Fahrbahnrand zu nutzen. Dies gilt auch für die Kinder!
Einst gab es zur Verkehrsberuhigung eine 30km/h-Zone in der Karl-Marx-Straße. Diese wurde wieder beseitigt. Die Verkehrsdichte nahm aber immer mehr zu. Anstöße zur erneuten Einrichtung der 30er-Zone wurde aber wegen der geringen Aussicht auf Erfolg von der Stadtverwaltung abgelehnt. Der richtige Ansprechpartner wäre wohl richtiger der Landkreis Dahme-Spreewald gewesen!

Ja, wie ernst nimmt die Verwaltung der Stadt Königs Wusterhausen, zu der seit 2003 auch Zernsdorf und Kablow gehört, die Anliegen und Ängste vieler Kablower und Zernsdorfer zur geschilderten Verkehrssituation? Beim Treff mit dem rbb waren weder der Königs Wusterhausener Bürgermeister und die Ortsvorsteher von Zernsdorf und Kablow zugegen. Sie waren eingeladen, nicht eingeladen und hatten aber Kenntnis vom Termin oder Urlaub…
Und die verantwortlichen Organisatoren aus Zernsdorf und Kablow hatten schlicht "vergessen", dass der besagte Straßenzug eben eine Kreisstraße (K6153) ist. Und die liegt nun mal in der Verantwortlichkeit des Landkreises Dahme-Spreewald.


Viele Bürger, die vor Ort waren, hatten keine persönliche Einladung bekommen, waren aber da, weil sie sich angesprochen fühlten, weil es auch ihr Anliegen ist. Ihr Ruf nach dem KWer Bürgermeister und den Ortsvorstehern der beiden KWer Ortsteile ist verständlich, aber nicht ausreichend, um das Problem zu lösen.
Es wäre endlich an der Zeit, dass sich auch alle offiziellen Stellen mit offenem Ohr und Auge den vorgetragenen Anliegen der Bürger widmen. Zumal das Problem schon lange mehr oder (meist) weniger diskutiert wird (im Ursprung seit 2013). Und der Unfall am 14. Dezember 2015 in der Nähe des Kablower Bahnhofs durch einen sich führerlos selbständig gemachten (aber zum Glück schon leeren) Kesselwagenzug zeigt, dass es zwar schon lange Zeit alles gut ging, aber dass das Glück eben auch ein leichter Vogel ist. Ein umgekippter Kesselwagen am Bahnhof Kablow zeugt heute noch vom Beinahe-Super-Gau.


Animositäten einzelner Gruppierungen und Personen miteinander sollten endlich beiseite gelassen werden! Die in der Vergangenheit in polemischer Wortwahl geführten Angriffe sollten endlich auch der Vergangenheit angehören! Dies alles schadetet nur dem Miteinander zum Wohle Aller.
Mögen die im Fernsehen, noch recht milde, geschilderten Zustände ein Anstoß sein, endlich aufeinander zuzugehen und gemeinsam eine gute Lösung des Problems zu erreichen. Aussitzen ist hier die denkhaft schlechteste Lösung; weil dies kein gutes Zeichen für Demokratie ist!

Es bedarf hoffentlich nicht erst eines größeren Schadens an Leib, Hab und Gut, um ins Gespräch zu kommen und den Zustand zu verbessern!!!

Der Beitrag des rbb Brandenburg aktuell war in der Mediathek des Senders zu sehen unter:
16. Januar 2016 - Brandenburg aktuell

 

15. Januar 2016 - Der Blaue Robur vom rbb ist in Zernsdorf

(Bearbeitungsstand: 27. Januar 2016)