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Gaststätte "Krüpelsee-Paradies"

  Ein Ort, an dem Kulturdenkmale verfallen (und abgerissen werden!)
ist wie ein Mensch, der sein Gedächtnis verliert

Ein Kapitel Zernsdorfer Geschichte
verschwand für immer

Knorr's Restaurant auf einer Ansichtskarte um 1900
”Knorr’s Restaurant”
Postkarte um 1900

   31. März 2004
   Wer in jenen Tagen durch Zernsdorf fuhr, bemerkte an der “Friedensaue”, dem Platz in der historischen Ortsmitte,
   große Veränderungen. Man begann das alte Haus der Gaststätte “Krüpelsee”  abzureißen.

1927 - Werbung für Knorr's Restaurand 1927 - Werbung für Knorr's Restaurand im "Illustrierten Führer für Königswusterhausen und Umgebung"
Darin:  Über 350 Jahre durch die Familie geführt (seit ca. 1570)

Restaurant von J. KnorrEin Stück der Erinnerung an viele fröhliche Stunden bei Musik und Tanz im Saal, an so manche wortreiche Diskussion beim Bier am Tresen, an fröhliches Kinderlärmen im Garten ist für immer dahin. Schon vor Jahren haben sich nach dem letzten Gast die Türen für immer geschlossen. Ein Grund, die über hundertjährige Geschichte in Gedanken noch einmal vorbeiziehen zu lassen!
Schon um 1830 gab es an dieser Stelle der Dorfaue einen Dorfkrug. Er war der damalige gesellschaftliche Mittelpunkt des kleinen Dörfchens. Nach 1900 machten zahlreiche Postkarten Werbung für „Knorr’s Restaurant“ (Besitzer Julius Knorr und in späterer Zeit Otto Radke)  und luden somit zahlreiche Gäste aus Nah und fern nach Zernsdorf ein. Doch auch die Zernsdorfer Arbeiter aus den Ziegeleien und den Industriebetrieben waren hier oft und gern zu Gast. Am 28. Juni 1903 gründete sich in „Knorr’s Restaurant“ der Männerchor „Freie Sänger“ Zernsdorf. Ideal am Krüpelsee gelegen, legten an den Stegen nicht nur Boote an, sondern auch Dampfer brachten regelmäßig Gäste in Haus und Garten.
Ein kleiner Bootschuppen wurde zum „Logierhaus“ ausgebaut – die „Tagesgäste“ konnten nun für längere Zeit bleiben und als „Sommerfrischler“ Natur und Ruhe am Ufer des Krüpelsees genießen.
Restaurant Krüpelsee-Paradies, am LogierhausIn der DDR-Zeit kehrten die Gäste in der Konsum-Gaststätte „Krüpelsee-Paradies“ ein. Im „Logierhaus“ und im zweiten Geschoss der Gaststätte vermietete ein Betrieb aus Bestensee Ferienzimmer an Urlauber. Um 1989 bemühte sich ein privater Betreiber kurze Zeit um den Fortbestand dieses gastlichen Ortes – vergebens - er müsste schließen! Das Anwesen wurde schließlich verkauft. Der neue Investor versuchte das ehemalige „Logierhaus“ nach neuem Standard für einen Vermietungsbetrieb wieder herzurichten. Ihm ging leider auch die „Puste“ aus. Das Gaststättengebäude, ehemals ein Schmuckstück, wurde eine unansehnliche „Dreckecke“. Noch 1997 steht in der Presse (WochenSpiegel vom 19.02.1997), dass sich die Gaststätte „ nach den Wünschen von Eigentümer und Gemeinde bald in einem neuen Outfit präsentieren und dann wieder als gastronomische Einrichtung den Gästen und Anwohnern Zernsdorfs offenstehen“ würde. Ausgeträumt der Traum!
Wieder wurde das Grundstück an Privat verkauft. Das Haus an der Friedensaue „fällt“ - eine schmerzliche Lücke ins Ensemble der alten Bebauung um die alte Dorfaue wurde gerissen und die Zernsdorfer sahen sich ein Stück ihrer Erinnerung beraubt.
Nur noch Großeltern könnten ihren Enkeln erzählen, was und wie es hier war.

Dorfstrasse mit J. Knorr's Restaurant

Postkarte um 1920

Knorr's restaurant um 1920
Postkarte um 1920

Knorr's Restaurant - Garten um 1935
Postkarte um 1935

Knorr's Restaurant - Veranda
Veranda

Knorr's Restaurant im Jahr 2000
“Dreckecke” - Foto vom 26. August 2000

Artikel aus der Königswusterhausener Zeitung vom 21. August 1934

Knorr's Restaurant - Oberer GartenOberer Garten

Knorr's Restaurant, ohne Datum

Postkarte um 1940

Knorr's Restaurant, 30.03.2004
30. März 2004  Abriss-Beginn

Knorr's Restaurant - Die letze Wand


18. April 2004 - Abriss-Ende
Zum Schutz des Schuppens auf dem Nachbargrundstück blieb
ein Teil der Seitenwand des Gebäudes “Krüpelsee” stehen.
Ein nostalgisches Erinnerungsstück!?

(Bearbeitungsstand: November 2012)